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Wasn das fürn Holz?

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Peter G
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Wasn das fürn Holz?

Beitrag von Peter G »

Liebe Holzliebhaber und Holzfreundinnen,

hier im Forum hatten wir schon lange keine Holzrätsel mehr. Ich kann einige liefern, weil ich in die kühle Werkstatt geflüchtet bin, um dort endlich mal einige Holzreste zu zerspanen, die dort schon lange auf mich warten. Nix Besonderes, eher etwas Alltägliches. Ein Teller (d 325 mm) und zwei Schoppendeckel. Diese Deckel zählen zum hessischen Kulturgut. Sie schützen den Apfelwein vor Insekten und individualisieren das gerippte Glas zum Schutz vor „Nassauer“. Die Deckel messen 85 mm Durchmesser und sind einschließlich eines Zapfens gegen Verrutschen 25 mm dick.
Hier einige Anmerkungen zu Orientierung und zur Verwirrung: Das Holz des Tellers hat mal europäische Geschichte geschrieben ebenso wie das des Deckels aus Hirnholz. Das Holz des zweiten Deckels stammt von einem Bäumchen der entwickelten Gartenkultur.

Ich verspreche ernsthafte Aufklärung falls nötig und grüße aus der Werkstatt mit Blick auf das Thermometer: 21 Grad Celsius.

Peter Gwiasda

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maserknollen
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Re: Wasn das fürn Holz?

Beitrag von maserknollen »

Hat das Holz des Tellers Geschichte geschrieben in der Waffentechnik? Dann würde ich sagen ,es ist Eibe . Langbögen wurden aus Eibe hergestellt.
Das Hirnholz , würde ich sagen, ein Nadelholz. Sehr feinjährig - erinnert mich an sibierische Lärche. Das Politikum hierbei , dass für dieses Holz ein Importverbot besteht, weil die in dem Riesenland sich nicht benehmen können.
Das bunte olivfarbene Holz würde ich als Essigbaum ansehen . War mal in Gärten angesagt , wurde aber auch schnell verflucht, wiel es unkontrollierbare Ausläufer bildet.
Ich kann mich jetzt natürlich bei allen Dreien täuschen, aber ich habs zumendest versucht :-D
Danke , Peter für das Rätsel.
L.
Zuletzt geändert von maserknollen am Dienstag 30. Juni 2026, 17:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Der krumme Baum lebt sein Leben.
Der gerade Baum wird zum Brett.
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Erick
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Re: Wasn das fürn Holz?

Beitrag von Erick »

Hallo Peter
Bin bei Ludger mit Eibe und Lärche, Nummer 3 sieht mir nach Goldregen aus.
Herzlich grüßt Dich Erick
Wolle1
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Re: Wasn das fürn Holz?

Beitrag von Wolle1 »

Hallo Peter,
das grüne mit Weißanteilen ist sicher Essigbaum, das andere mögen andere besser kennen, da ich kaum Nadelholz verarbeite.
Grüße
Wolfram
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Ritschi
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Re: Wasn das fürn Holz?

Beitrag von Ritschi »

Hallo Peter
beim lesen der Aufgabe dachte ich sofort an Eiche
Alte „Thing-Eichen“ dienten im Mittelalter als Gerichtsorte. Viele Gemeinden in Deutschland haben historische, unter Naturschutz stehende uralte Eichen, die Kriege und Jahrhunderte überdauert haben.

Beim anschauen des Teller Fotos musste ich natürlich umdenken. denn das ist sicherlich ein Nadelholz.

Daher tippe ich beim Teller auf „Fichte“

Als sogenanntes „Klangholz“ ist die Fichte weltberühmt. Aus dem Holz der besonders langsam und gleichmäßig gewachsenen Fichte (z.B. aus dem Alpenraum oder Fichtelgebirge) werden traditionell die Resonanzböden von Geigen wie den legendären Stradivari-Geigen und Klavieren gefertigt. War aber auch ein wichtiges Nutzholz.

Die Schoppe-Deckel sind aus Perückenstrauch und der verleimte aus gedämpfter Akakzie.

Natürlich denke ich, dass ich das Rätsel gelöst habe, kann aber auch in die Hose gehen.
Gruß aus Unterfranken
Gruß ritschi

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Re: Wasn das fürn Holz?

Beitrag von holzulfi72 »

Hallo Peter
Ich bin beim Teller auch bei Eibe, der grüne Deckel müsste eigentlich Essigbaum sein und der Hirnholzdeckel könnte tatsächlich entweder sib. Lärche oder aber auch eine sehr eng gewachsene kienige Kiefer sein… je mehr ich draufgucke um so mehr bin ich tatsächlich bei Kiefer
Bin gespannt wie Flitzebogen was es ist… :prost:
Gruß

Ulf

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Peter G
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Re: Wasn das fürn Holz?

Beitrag von Peter G »

Hier ist die Auflösung meines Holzrätsels: Eibe (Taxus baccata), Perückenstrauch (Cotinus Coggygria) und Pitchpine (Pinus palustris). Die beiden mächtigsten Arten Eibe und Pitchpine haben in der Tat ein bisschen Menschengeschichte geschrieben. Der kleine Perückenstrauch (nicht -baum) ist einfach nur wunderschön.

Zum Teller aus Eibe. Mein Exemplar ist unter ungünstigen Bedingungen groß geworden. Die Jahresringe sind nur mit der Lupe zu erkennen, die Bohle hat eine Breite von 500 mm und eine Dicke von 55 mm. Die Arbeit mit der scharfen Röhre war purer Hochgenuss.
Die Eibe hatte im ausgehenden Mittelalter die militärische Bedeutung, die heute Uran besitzt. Das Stammholz war hoch begehrt für die Herstellung tödlicher Waffen wie Langbögen und Armbrüste. Am teuersten waren die Rohlinge (6 x 6 cm) aus dem Bereich von Splint und Kern. Die englischen Könige erkannten als erste Kriegsherren bei ihren andauernden Konflikten mit Schotten und Franzosen die überlegende Kraft der Heere mit Langbögen. Da aber die Eiben auf ihrer Insel bald verbraucht waren, plünderten sie mithilfe der schon damals geschäftstüchtigen Holländer die Eiben auf dem europäischen Festland. Viele Fürsten verordneten in der Folge Ausfuhrverbote für Eibenholz beziehungsweise Prämien, um sich möglichst viele Eibenhölzer für die eigene Aufrüstung zu sichern. Die Pfeile, die mit Bögen oder Armbrüste aus Eibenholz abgeschossen wurden, durchschlugen fast alle Kettenpanzer. Die politische Aufteilung Europas war also bestimmt von der Verfügung und Nutzung des Eibenbaums. „Glücklicherweise“ verhinderte die Erfindung des Schießpulvers eine endgültige Ausrottung dieses Baumes, der auch in der Medizin und Religion eine besondere Rolle spielte und noch spielt.

Zur Pitchpine oder Pechkiefer. Pechkiefer, weil aus dem harzreichen Holz durch Verschwelung Wagenschmiere und Pech zum Kalfatern von Bootsplanken gewonnen wurde. Aber die besondere Geschichte ist eine andere. Im konkreten Fall des Schoppendeckels kann ich sie nicht wirklich beweisen, wahrscheinlich aber ist sie dennoch. In meinem Taunusdorf backte in der achten Generation eine Familie ein gerühmtes Brot in einer Backstube mit einem Fußboden aus Pitchpine. Vor drei Jahrzehnten verordnete das Gesundheitsamt aus Gründen der Hygiene den Ersatz des Holzbodens durch Fliesen. Und hier beginnt mein Rolle in der Erzählung. Ich sicherte mir ein Dutzend der Bretter und erkannte schnell die Bedeutung und Qualität der Beute.
Die Geschichte, die ich jetzt erzähle, ist eine Mischung aus Tatsachen und Mutmaßungen. Die Backstube der Dorfbäckerei wurde Ende des 18. Jahrhundert mit den harten und verzugsfreien Pitchpine-Brettern ausgelegt. Und wo kam das Holz her? Pechkiefern wachsen in Kanada und im Südwesten der USA, besondere Arten auch auf den karibischen Inseln. In meiner Fantasie stelle ich mir vor, dass 1750 ein englisches Schiff (kann auch ein holländisches gewesen sein) mit kleiner Ladung die Küste von Westafrika ansteuerte, dort von den europäischen Kolonialherren oder örtlichen Stammesfürsten eingefangene Menschen einluden und nach Monaten riskanter Seefahrt in dem Land wieder ausspuckten, das in diesen Tagen seinen 250. Geburtstag feiert. Die weitere Geschichte dieses großen Verbrechens an Millionen unschuldige Menschen ist bekannt.
Aber es geht noch weiter und schließlich um Pitchpine. Das Segelschiff aus dem Alten Kontinent war jetzt leer und die jungen Vereinigten Staaten verfügten vor allem über unendliche Mengen von wertvollen Hölzern. Die europäischen Wälder waren damals so gut wie verwüstet. So also kam auch Pitchpine nach Europa. Weil es gut passt und niemand mir eine Lüge nachweisen kann, behaupte ich, dass die Ladung des Segelschiffs in Hamburg (oder Amsterdam oder Bremen) gelöscht wurde. Wo die Stämme danach zu Brettern gesägt wurden und wie diese schließlich in die Backstube im Taunusdorf kamen, kann beliebig spekuliert werden.
Pechkiefer wurde und wird zu breiten Dielen für Villen verarbeitet und diese werden heute als historisches Holz sündhaft teuer vermarktet. Ich habe das historische Holz aus der Backstube gehobelt (meine Dickte hat sich hörbar gequält) und zu 12 mal 12 cm Kanteln verleimt. Daraus schließlich werden die Schoppendeckel mit dem reizvollen Muster aus hart abgegrenztem Früh- und Spätholz gedrechselt.

Bleibt noch eine Erklärung zum Perückenstrauch. Wenn ich über unseren Garten frei verfügen dürfte, würde ich noch heute Perückensträucher pflanzen. Weshalb? Weil die Blüten des Buschs so originelle Perücken tragen, vor allem aber, weil das Holz zu den farbenprächtigsten unserer Welt zählt. Es leuchtet in allen Varianten des Tuschkastens. Aus seinen Wurzeln wird ein besonderer gelber Stoff gewonnen, Cotinus heißt auch Färbersumach oder Fisettholz. Und es lässt sich problemlos drechseln. Also Freunde, wenn Perückenstrauch im Angebot steht, immer abgreifen! Bedauerlich nur, dass der Stamm selten über Männerarmstärke reicht.

In der Hoffnung euch mit diesen ausführlichen Schilderungen nicht gelangweilt zu haben, grüße ich freundlich.

Peter Gwiasda
Zuletzt geändert von Peter G am Mittwoch 1. Juli 2026, 19:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Helmut-P
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Re: Wasn das fürn Holz?

Beitrag von Helmut-P »

Hallo Peter,

danke für das interessante Holzrätsel und die geschichtsträchtige Auflösung dazu.

Freundliche Grüße aus dem Untertaunus
Helmut
Jan_txu
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Re: Wasn das fürn Holz?

Beitrag von Jan_txu »

Wie toll, danke. Ich habe die Erläuterungen mit Freude gelesen. Beim Perückenstrauch lag ich aber daneben und hätte Goldregen getippt.

Einen schönen Abend wünsche ich.
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Jens
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Re: Wasn das fürn Holz?

Beitrag von Jens »

Hallo Peter,

für das Holzrätsel bin ich zu spät.
Doch danke für die schön geschriebene Auflösung,
hat mir sehr viel Spaß bereitet.

Viele Grüße
Jens
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