Nachlass - niemand kann sich davor drücken
Verfasst: Montag 6. April 2026, 20:34
Liebe Drechslerinnen und Drechsler,
ich befinde mich gerade in der realen Situation, die vor über sechs Jahren für mich Anlass und Grund war für meine erste Kolumne im Blauen Forum zum damals noch fiktiven Thema Älterwerden, Krankheit und Zwang zur Aufgabe des schönsten Hobbys meines Lebens. Zusammen mit elf weiteren Kolumnen über die Drechsel-Leidenschaft kann man sie in unserem Archiv unter „Gedrechselte Gedanken, geschliffen formuliert“ immer noch lesen. Hier der Text, der viele lesenswerte kluge Antworten provoziert hat:
„Ich möchte beginnen mit einem Thema, das viele von uns kennen, in der Regel aber verdrängen. Bei den vielen Zusammenrottungen von Drechslern spielt so gut wie nie die Nachlass-Regel eine Rolle. Unübersehbar haben viele von uns Freizeit-Drechsler ein Lebensalter erreicht, das nur noch wenige Jahre vor dem statistischen Ende liegt. Wer regelt den Nachlass? Wem kann überhaupt eine solche Regelung zugemutet werden?
Die Hinterlassenschaft vieler Hobby-Holzwerker ist gigantisch, nicht bezogen auf das Volumen der Dinge, wohl aber auf die Vielzahl kleiner und kleinster, gleichwohl kostspieliger Werkzeuge, Spezialgeräte und Maschinen. Wer blickt da jemals durch, frage ich mich im Selbstgespräch in meiner Werkstatt und weiß mich als Mitglied einer immer größer werdenden Schicksalsgemeinschaft.
Stopp! Muss mich doch überhaupt nicht beschäftigen. Weder in der Hölle noch im Himmel gibt es nachweislich Drechselbänke. Doch diese Selbsttröstung ist niemals von Dauer, weil wir doch alle unsere Maschinen und Werkzeuge über die Jahre hinweg liebgewonnen haben. Und dann sind da noch die kostbaren Holzvorräte, zusammengetragen unter Schweiß und versehen mit konkreten Plänen zur Gestaltung. Furztrockene Nussbaum-Rohlinge gespalten als Brennholz! Das ist eine Horrorvision!
Also wie sichere und genieße ich die durch die Arbeit an der Drechselbank entstandene entspannte Gemütslage bis zur letzten Stunde meines Lebens? Ich glaube, dass es nur sehr individuelle Lösungen gibt.
Zu Beginn des neuen Jahres 2020 werde ich eine Liste mit den wertvollsten (liebsten) Maschinen zusammenstellen, verbunden mit einem geschätzten aktuellen Geldwert. Wenn sie sich weiterhin so makellos verhalten, werden sie mich mutmaßlich allesamt an Lebensalter übertreffen. Die vier Heyligenstaedt-Bänke wurden zwischen 1946 und 1948 gebaut, meine Bandsäge feiert demnächst ihren 100. Geburtstag. Auf die Liste setze ich dann noch Hobelmaschine, Kreissäge, Fräse und so weiter und so fort. Ich fürchte, die Liste wird endlos und wirklich Lust habe ich heute auch nicht. Weil ich ja noch so fit bin.
Ich will ernsthaft und realistisch sein. Die beste Lösung ist, zwei oder drei meiner besten Drechsler-Kumpel zu einer Nachlass-Konferenz mit feuchtfröhlichem Ausgang zu bitten. Und zwar bald und nicht erst irgendwann. Sie sollen dereinst meiner erbberechtigten Familie fachkundig zur Seite stehen. Als Lohn für diese in einer unbestimmten Zukunft zu erbringenden Leistungen dürfen sie heute in meinem Holzlager schon mal den einen oder anderen trockenen Rohling mit dem eigenen Namen versehen.
Und wie regelt ihr euren Nachlass..? Regelt ihr den überhaupt?“
Liebe Drechsler-Kumpel, was ist aus euren Bekenntnissen und guten Vorsätzen geworden?
Ich verrate euch hier, was ich in meinem 83. Lebensjahr mache und gemacht habe. Drei Bänke haben bereits neue Liebhaber gefunden, weitere Maschinen und Werkzeuge sind versprochen und große Mengen meiner in in 50 Jahren gesammelten Holzvorräte füllen andere Hobby-Werkstätten.
Die sichtbare Freude der neuen Nutzer meiner einstigen Schätze mindert spürbar meinen Verlustschmerz.
In der Hoffnung und Erwartung, dass dieses aufgewärmte Thema neue nützliche Reaktionen auslöst, grüßt
Peter Gwiasda
ich befinde mich gerade in der realen Situation, die vor über sechs Jahren für mich Anlass und Grund war für meine erste Kolumne im Blauen Forum zum damals noch fiktiven Thema Älterwerden, Krankheit und Zwang zur Aufgabe des schönsten Hobbys meines Lebens. Zusammen mit elf weiteren Kolumnen über die Drechsel-Leidenschaft kann man sie in unserem Archiv unter „Gedrechselte Gedanken, geschliffen formuliert“ immer noch lesen. Hier der Text, der viele lesenswerte kluge Antworten provoziert hat:
„Ich möchte beginnen mit einem Thema, das viele von uns kennen, in der Regel aber verdrängen. Bei den vielen Zusammenrottungen von Drechslern spielt so gut wie nie die Nachlass-Regel eine Rolle. Unübersehbar haben viele von uns Freizeit-Drechsler ein Lebensalter erreicht, das nur noch wenige Jahre vor dem statistischen Ende liegt. Wer regelt den Nachlass? Wem kann überhaupt eine solche Regelung zugemutet werden?
Die Hinterlassenschaft vieler Hobby-Holzwerker ist gigantisch, nicht bezogen auf das Volumen der Dinge, wohl aber auf die Vielzahl kleiner und kleinster, gleichwohl kostspieliger Werkzeuge, Spezialgeräte und Maschinen. Wer blickt da jemals durch, frage ich mich im Selbstgespräch in meiner Werkstatt und weiß mich als Mitglied einer immer größer werdenden Schicksalsgemeinschaft.
Stopp! Muss mich doch überhaupt nicht beschäftigen. Weder in der Hölle noch im Himmel gibt es nachweislich Drechselbänke. Doch diese Selbsttröstung ist niemals von Dauer, weil wir doch alle unsere Maschinen und Werkzeuge über die Jahre hinweg liebgewonnen haben. Und dann sind da noch die kostbaren Holzvorräte, zusammengetragen unter Schweiß und versehen mit konkreten Plänen zur Gestaltung. Furztrockene Nussbaum-Rohlinge gespalten als Brennholz! Das ist eine Horrorvision!
Also wie sichere und genieße ich die durch die Arbeit an der Drechselbank entstandene entspannte Gemütslage bis zur letzten Stunde meines Lebens? Ich glaube, dass es nur sehr individuelle Lösungen gibt.
Zu Beginn des neuen Jahres 2020 werde ich eine Liste mit den wertvollsten (liebsten) Maschinen zusammenstellen, verbunden mit einem geschätzten aktuellen Geldwert. Wenn sie sich weiterhin so makellos verhalten, werden sie mich mutmaßlich allesamt an Lebensalter übertreffen. Die vier Heyligenstaedt-Bänke wurden zwischen 1946 und 1948 gebaut, meine Bandsäge feiert demnächst ihren 100. Geburtstag. Auf die Liste setze ich dann noch Hobelmaschine, Kreissäge, Fräse und so weiter und so fort. Ich fürchte, die Liste wird endlos und wirklich Lust habe ich heute auch nicht. Weil ich ja noch so fit bin.
Ich will ernsthaft und realistisch sein. Die beste Lösung ist, zwei oder drei meiner besten Drechsler-Kumpel zu einer Nachlass-Konferenz mit feuchtfröhlichem Ausgang zu bitten. Und zwar bald und nicht erst irgendwann. Sie sollen dereinst meiner erbberechtigten Familie fachkundig zur Seite stehen. Als Lohn für diese in einer unbestimmten Zukunft zu erbringenden Leistungen dürfen sie heute in meinem Holzlager schon mal den einen oder anderen trockenen Rohling mit dem eigenen Namen versehen.
Und wie regelt ihr euren Nachlass..? Regelt ihr den überhaupt?“
Liebe Drechsler-Kumpel, was ist aus euren Bekenntnissen und guten Vorsätzen geworden?
Ich verrate euch hier, was ich in meinem 83. Lebensjahr mache und gemacht habe. Drei Bänke haben bereits neue Liebhaber gefunden, weitere Maschinen und Werkzeuge sind versprochen und große Mengen meiner in in 50 Jahren gesammelten Holzvorräte füllen andere Hobby-Werkstätten.
Die sichtbare Freude der neuen Nutzer meiner einstigen Schätze mindert spürbar meinen Verlustschmerz.
In der Hoffnung und Erwartung, dass dieses aufgewärmte Thema neue nützliche Reaktionen auslöst, grüßt
Peter Gwiasda