Schneiden oder schaben - was macht ein Grat ?

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Deppenbrösel

Schneiden oder schaben - was macht ein Grat ?

Beitrag von Deppenbrösel » Freitag 6. Juni 2008, 05:45

Ja hallo alle

Immer wieder wird grade unter Hobbydrechslern die Frage diskutiert, ob ein Grat an einem Werkzeug erwünscht ist oder nicht.
Die Antwort ist einfach: Es kommt drauf an !

Und die nächste Frage: Was ist ein Grat denn überhaupt ? Ein Grat entsteht z B beim Schleifen einer Schneide, weil der Stein nicht alles Material nach unten wegnimmt, sondern durch "Schieben" etwas nach hinten aufbaut. Dies ist also ein "Aufbaugrat". Da er willkürlich entsteht und aus "losem" Material besteht, ist er unnütz und kann entfernt werden.

Der Tischler kennt (kannte) ein Werkzeug , mit dem ein Grat bewusst eingesetzt wurde: Die Ziehklinge.
Diese ist ein Blech aus Werkzeugstahl, an die ein Grat angedrückt oder "gezogen" wird. Das ist nicht ganz einfach, wer es aber richtig kann erhält ein Werkzeug, mit dem sich sehr schnell sehr schöne Flächen putzen lassen. Vor der "Erfindung" des Schleifpapiers war es das Werkzeug, um Harthölzer zu verputzen.

Und beim Drechsler?

Er hat Werkzeuge die werden schneidend eingesetzt: ( Röhren, Meissel ). Hier hat ein Grat ( der beim Schleifen entstanden ist) nichts verloren.Ob er entfernt werden muss wird immer wieder diskutiert...In der Regel ist er nach kurzer Zeit verschwunden, an einer Röhre zum Schlichten entferne ich ihn.

Was ist nun mit diesen ganzen Schaberplatten, die mittlerweile zum Finish von Innenkonturen angeboten werden ?
Sie haben auf keinen Fall einen angezogenen Grat, dazu sind die Kanten zu klein; es kann sich wenn überhaupt nur um Aufbaugrate vom Schleifen handeln.
Meiner Meinung arbeitet auch hier kein Grat, sondern die Kante...dann ists also auch kein Schneiden, sondern schaben....... :mrgreen:

Aber solange es für innen ist ... :wink:

Udo

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Erick
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Re: Schneiden oder schaben - was macht ein Grat ?

Beitrag von Erick » Freitag 6. Juni 2008, 06:50

Hallo Udo
Hiermit hast Du ein interessantes Thema ,, angeschnitten ,,
Ich benutze einige verschieden geformte Schaberplatten. Sie sind aus Hobelmesser HSS Stahl und sie werden mit Laser
oder Drahterodiertechnik aus geschnitten.
Diese Platten halte ich für sehr nützlich, da sie mir Schleifarbeit und Schleifpapier ersparen !
Es kommt natürlich darauf an, WIE diese Werkzeuge ans Holz gehalten werden !
Niemals waagerecht !!! immer schleppend , hängend , schräg , unterhalb der Mitte.
Dann ziehen sie einen feinen langen Span ab.
Man spricht vom schneidenden schaben.
Gruß Erick

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Re: Schneiden oder schaben - was macht ein Grat ?

Beitrag von Schaber » Freitag 6. Juni 2008, 22:21

WER HAT WAS GEGEN SCHABER????
Gruß
Jürgen

Deppenbrösel

Re: Schneiden oder schaben - was macht ein Grat ?

Beitrag von Deppenbrösel » Samstag 7. Juni 2008, 07:03

Niemand !

Aber Erik hat recht, wenn es schleppend und steil angehalten wird, ist es kein Schaben mehr, sondern erher ein schneiden mit stumpfer Schneide :-)

@ Erik Wenn du Gelegenheit hast, Lasern oder Drahterodieren zu lassen, nimm alte Sägeblätter von Metallbügelsägen.....
Sie sind härter als Hobelmesser, das Loch lässt sich mit einem HM Bohrer bohren......
Ich schneide sie mit ner Flex, schleife sie auf Form und bohre sie dann.

Udo

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Re: Schneiden oder schaben - was macht ein Grat ?

Beitrag von Fritz-RS » Sonntag 8. Juni 2008, 09:50

Hallo, Udo,

der Neue im Forum meldet sich:
Ich bin zwar nicht angesprochen,habe aber eine Frage zu Deinen Schabern:
Meine Schneid-Schaber schneide ich auch mit der Flex aus 3mm Hobelmessern und bin damit recht zufrieden. Die Löcher bohre ich nicht mehr, (ist mir zu aufwändig) sondern schneide mit der Flex einen 5mm-Schlitz bis zur Mitte.
Nun habe ich mal Metallsägeblätter nachgemessen und festgestellt, daß die dicksten Maschinen-Bügel-Sägeblätter nur 2 mm stark sind.
Produzierst Du damit keine Chattertools?
Wie dick sind Deine Sägeblätter? Oder meinst Du Kaltkreissägeblätter?

Gruß Fritz

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Re: Schneiden oder schaben - was macht ein Grat ?

Beitrag von Deppenbrösel » Sonntag 8. Juni 2008, 14:49

Hallo Fritz

willkommen im Forum !

Meine Bügelsägeblätter sind 2,8 - 3.0 mm stark und entsprechend lang :-)
Muss wohl ne dicke Maschine gewesen sein :-)

Und chattern wird auch bei 2mm Stärke nix, dazu sind die Dinger zu klein ......

Die Idee mit dem Schlitz ist prima .... danke ! ( Warum bin ich nicht selber draufgekommen ? :oops: )

Die Hobelmesser sind mehr auf Zähigkeit als auf Härte ausgelegt, wahrscheinlich sind die Bügelsägeblätter auch noch eher warmfest....... muss ich aber mal nachschauen.

Wenn man solch eine Schaberplatte kreisrund macht, müsste sich eigentlich ein richtiger Grat andrücken lassen...... könnte ja mal einer testen !?

Udo

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Re: Schneiden oder schaben - was macht ein Grat ?

Beitrag von Fritz-RS » Sonntag 8. Juni 2008, 18:42

Hallo, Udo,

habe ich gemacht. Sauber rund gedreht aus einem hochlegierten Werkzeugstahl und auf der Drehbank mit VHM einen Grat angedrückt.
Wegen der runden Geometrie ist die Scheibe nicht gut schabend-schneidend einzusetzen. Dazu ist die Werkstückberührung zu kurz.
Als reiner Schaber funktioniert das gut. Aber die anderen sind besser, weil sie nicht nur schaben.
Ich würde Fotos anhängen, weiß aber noch nicht, wie.
Ein erweitertes Thema:
Ideal zum Ausräumen von Langholz sind Ringeisen, die aber leicht verstopfen. Ich habe solche Schneidringe jetzt an der der Schneide gegenüberliegenden Seite aufgeschnitten. Das bisher beste Ergebnis meiner Versuche, das präziseres Arbeiten als ein spandickenbegrenztes Schneidzeug erlaubt.
(auch hier wieder Fotos ???)

Gruß Fritz

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Re: Schneiden oder schaben - was macht ein Grat ?

Beitrag von Fritz-RS » Sonntag 8. Juni 2008, 22:11

Dann will ich das mal erneut versuchen:

Das erste Bild zeigt die Schabringe. Aus hochlegiertem Stahl gedreht, Kanten geschliffen und mit VHM-Rundstab Fase angedrückt, gehärtet.
Die Fase ist naturgemäß klein und hier nicht gut zu erkennen. D=16mm und 20 mm.

Bild 2 zeigt Schneidringe zum Innenausdrehen von Langholz.
Aus hochlegiertem Stahl gedreht, Schneiden mit unterschiedlichen Fasenwinkeln geschliffen und abgezogen, Rückseite aufgeschnitten, um den Späneablauf zu sichern, gehärtet, angelassen. D= außen 20mm, innen 10mm.
Die Ringe werden auf 16mm-Rundstahlstangen, in deren Kopfseite ein 5mm-Gewindestummel eingedreht ist, aufgeschraubt und räumen hervorragend aus. Die Ringe ziehen sich bei normalem Linkslauf des Werkstücks auf der Stange fest, Rechtslauf ist nicht möglich.

Gruß Fritz
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Deppenbrösel

Re: Schneiden oder schaben - was macht ein Grat ?

Beitrag von Deppenbrösel » Montag 9. Juni 2008, 17:25

Hallo Fritz !

Sehr schön, die Werkzeuge !

Selbst gemacht befriedigt doppelt und meistens lernt mann auch noch was dabei ! :respect:


Zum Ausdrehen von Langholz nehme ich meistens die Woodcut-Werkzeuge, das alte Modell verstopfte oft, dass neue nicht mehr.................
Die sehen fast aus wie deine Halbringe, haben nur noch ne Tiefenbegrenzung.............

Wie härtest du die Stähle ?

udo

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Re: Schneiden oder schaben - was macht ein Grat ?

Beitrag von Fritz-RS » Montag 9. Juni 2008, 20:14

Hallo, Udo,

mir macht das Entwickeln und Bauen von Werkzeugen genauso Spaß, wie das Zerspanen von Holz.

Meine Werkzeuge sind keine Showteile, sondern immer Prototypen, weil ich permanent weiterentwickle. Sie sind auch optisch nie perfekt, weil ich mich an den Möglichkeiten einer Hobbywerkstatt orientieren muß und mir für die Perfektion der Oberfläche selten Zeit nehme.

Für das spandickenbegrenzte Werkzeug der Folgefotos habe ich einen 6mm dicken HSS-Abstechstahl mit einem scharfen Steinbohrer 10 mm gebohrt und dann mit der Flex die Bohrung für den Spanfluß geöffnet und um diese Bohrung herum passend und scharf geschliffen. Dann noch einmal 8mm bohren und einen Schlitz einflexen. Damit sind alle Justagen möglich. Die Spandicke wird durch einen entsprechend profilierten 16mm Rundstab, der hinten in einem griffigen Vierkantrohr steckt, einstellbar.
Der HSS-Stahl wurde beim Bohren gut mit Schneidöl gekühlt und nicht unzulässig heiß. Er brauchte nicht gehärtet werden.

Die anderen, gestern vorgestellten, Stähle werden sehr unprofessionell gehärtet, weil ich Temperaturen nur abschätzen kann. Aber es klappt.
Ich erhitze mit dem Gaslötbrenner auf helles Kirschrot und schrecke in Rüböl ab. Dann erhitze ich die Stahlunterseiten noch einmal und versuche dabei, die Schneiden relativ kälter zu lassen. Erhoffte Temperatur ca. 300°C ???
Es geht nur darum, keine Brüche zu provozieren.

Gruß Fritz
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Re: Schneiden oder schaben - was macht ein Grat ?

Beitrag von richie » Dienstag 10. Juni 2008, 06:15

Hallo Fritz

:welcome: auch in diesem Forum!

Tja, und deine Werkzeuge machst du wie immer in super Ausführung! :.:
Allerdings gibt mir die relativ dünne Schneide deines Aushöhlwerkzeugs mit Spanbegrenzer etwas zu denken - hast du keine Angst, dass die abbrechen könnte?

Gruß
Erich

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Re: Schneiden oder schaben - was macht ein Grat ?

Beitrag von Fritz-RS » Dienstag 10. Juni 2008, 08:34

Guten Morgen, Erich,

doch, die Sorge, daß ein Werkzeug an einem Ast abbricht, besteht immer.
Allerdings sehe ich auch, was ein oben 2,5mm breiter Abstechstahl auf der Metalldrehbank in einer engen Nut schafft.
Den nächsten werde ich mit Sicherheit 1mm stärker machen. Das hier war und ist ein Versuch mit Material, das greifbar war..
Ich erwarte auch, daß die begrenzte Spandicke die einwirkende Last begrenzt.
Der Stahl schneidet z.B. in einem stark stockigen Ahornstück sehr gut. Den richtigen Anstellwinkel habe ich aber noch nicht völlig kontrolliert im Griff.
Zuerst habe ich mal für den Spanfluß das Schneidenteil auf Abstand zum Spanbegrenzer gesetzt. Endgültig will ich den Spanbegrenzer selbst dafür anschrägen.
Jetzt muß ich für Tests auch mal die richtigen Holzstücke haben und bearbeiten.

Gruß Fritz

Deppenbrösel

Re: Schneiden oder schaben - was macht ein Grat ?

Beitrag von Deppenbrösel » Dienstag 10. Juni 2008, 16:03

Fritz

ich bin begeistert !
Das ist der rechte Geist !!!
Ich wittere hier einen echten Tüftler !

Welches Holz brauchst du denn für weitere Experimente???

Udo

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Re: Schneiden oder schaben - was macht ein Grat ?

Beitrag von Fritz-RS » Dienstag 10. Juni 2008, 22:09

Hallo, Udo,

war das etwa ein Holzangebot?
Du weißt doch, was mann brauchen kann.

Gruß Fritz

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