Erfahrungsbericht Harvey T-60

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Mephy
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Erfahrungsbericht Harvey T-60

Beitrag von Mephy » Freitag 17. April 2015, 19:18

Harvey T-60 Erfahrungsbericht

Vor 2 Wochen stellte ich die neu Bank von Harvey, die T-60 vor, so wie sie aus der Verpackung kam, mit dem Vermerk, die ersten Erfahrungen nach zu fügen. Auf die Vorstellung kamen schon mehrere Rückmeldungen, die zum Teil berechtigte Fragen aber auch zum Teil sehr viel Halb-Unwissen in den Raum stellten. Dazu möchte ich festhalten, dass ich das Glück hatte, die Bank von der Anlieferung bis zum damit Arbeiten zu testen, ohne dass es meine eigene Bank ist, oder ein anderes Interesse als die Technik dahinter steht, und somit auch keine Dritt-Interessen dahinter verborgen sind.

Nach dem die T-60 sauber ins „Wasser“ gestellt und nicht am Boden verschraubt, und nur auf den Standartfüssen aufgestellt war, kam die Frage: „Wie sollte was getestet werden?“ Kriterien für mich waren:
1. Laufruhe
2. Funktionalität
3. Motorleistung
4. Kraftübertragung
5. Antriebsleistung unter Last
6. Qualität und Verarbeitung
7. Bearbeitung einzelner Komponenten
Um diesen Fragekatalog ab zu arbeiten entschloss ich mich 38 kg frischen „Apfel“ auf zu spannen um Antworten zu finden.
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1.1 Die T-60 Dreht auf beiden Riemenstufen unbelastet leise hoch, ohne Resonanzfrequenzen erkennen zu lassen. Dies trifft auch für alle Positionen über dem Bett zu, also auch in der „Kopf-Dreh-Position. Den Laufruhetest bestand die Bank auch mit vorgedrehten 38 kg Apfel nass, über alle Bett-positionen, welche auch mit 400 U/min das 10 Rappen Stück ruhig auf der Bank stehen liessen. Was schon im ersten Bericht erwähnt wurde ist das Geräusch des FU-Lüfters an das man sich aber schnell gewöhnt hat.
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2.1 Bei der Funktionalität bestätigten sich mein Kritikpunkt des Potentiometers für die Drehzahleinstellung, da für mich die 8 Umgänge für den ganzen Drehzahlbereich zu viel sind! Auf der anderen Seite muss aber auch ehrlich zugegeben werden, dass die Drehzahl durch diese Feinheit äusserst präzise eingestellt werden kann. Also was als Nachteil, kann in umgekehrter Weise auch als Vorteil betrachtet werden. Was aber sicherlich wünschenswert wäre ist ein Bedienteil, der über eine Magnethaftung überall an der Bank platziert werden könnte. Der Riemenwechsel ist einfach mit sehr guten Platzverhältnissen. Für das Fahren Spindelstocks über die ganze Bankbettlänge benötigt es eine sehr gute Klemm-Arretierung, die auch hält was sie verspricht. Eine wirklich Sehr gute Lösung ist die Kopfdreh-Position. Ohne ein Reitstock abzubauen kann dieser auf der äussersten Swing-away Position um den FU des Spindelstocks herum geklappt werden und ermöglicht ein Kopf-Drehen ohne etwas zu demontieren. Einzig das Tiefersetzen des Handauflageunterteils ist erforderlich. Die Handauflageverlängerung ist problemlos einzusetzen, auch wenn 2cm mehr an Höhe nicht zu verachten wären. Auch die Klemmung der Handauflagekomponenten ist brauchbar und gut.
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3.1 Die Motorleistung mit 3 PS Abgabeleistung ist für diese Bank absolut genügend. Sie steht aber auch immer in Abhängigkeit mit der Abstufung des Riemengetriebes.

4.1 Die Kraftübertragung wurde von etlichen Forenmitgliedern wegen des relativ schmalen Keilriemens angezweifelt, genau so wie das „Nur“ 2-stufige Riemengelege. Hier muss ich wirklich für die T-60 eine Lanze brechen. Auch ich war der Ansicht, dass ein 3-stufiges Riemengelege nötig wäre; - das Arbeiten mit grobem Werkzeugeinsatz am 38kg Apfel auf einem Drehdurchmesser von 60 cm bewies mir aber das Gegenteil: Die 2 Stufen reichen absolut aus, auch wenn 3 Stufen noch besser wären!

5.1 Viele zweifelten das „Dünne Riemchen“ an und prophezeiten „Riemenschlupf“! 38 kg Apfel, 401 U/min und wirklich grober Werkzeugeinsatz reduzierten die Tourenzahl von 401 U/min auf 392 U/min was 2% Drehzahlreduktion entspricht; - dies liegt in der normalen Toleranz eines Elektromotors unter Last und lässt überhaupt nichts von Riemenschupf erkennen! Ich denke das Anzweifeln des V-Riemens sollte damit klar beantwortet sein.
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6.1 Die Bearbeitung einzelner Komponenten erstaunt! Speziell die Klemmungen des Reit- und Spindelstocks sowie die des Handauflageunterteils überzeugen in jeder Position. Der Handauflageunterteil ist Gross und massiv und zeigt überhaupt kein Eigenschwingverhalten, auch wenn die Verlängerung aufgesetzt ist. Etliche Forenmitglieder bemängelten auch den 1 Zoll Handauflage-Oberteil-Zapfen und prophezeiten Schwingungs- und Schwächeverhalten. Der Handauflageoberteil besteht aus Stahlguss und überzeugt nicht nur durch seine Festigkeit, sondern auch durch ein Detail das ich in meinem ersten Bericht übersah, die Werkzeugauflagekannte. Diese besteht aus Werkzeugstahl und ist auf den Handauflageoberteil aufgeschweisst. Sie ermöglicht ein absolut sauberes Gleiten des Werkzeuges und verhindert die bekannten Scharten in der Werkzeugauflagekante. Wer also ungesehen die Handauflage als zu schwach, weil nicht mit einem 30 mm Zapfen ausgestattet bemängelt, sollte seine Meinung revidieren oder selber mal damit arbeiten.
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7.1 Qualität und Verarbeitung sind absolut auf einem sehr guten Niveau. Sicherlich kann jeder Perfektionist an jeder Maschine noch etwas verbessern, aber funktionell ist dieser Bank nichts anzulasten. Der Lieferumfang ist komplett und lässt keine zusätzlichen Wünsche offen. Wer sich auch mit einer Bank „Made in China“ anfreunden kann erhält sehr viel Komplettausstattung für sein Geld.
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Gruss Mephy
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Re: Erfahrungsbericht Harvey T-60

Beitrag von klotzkopf » Sonntag 19. April 2015, 12:59

Hinweis :
Bei Umrichtern mit Drehzahlerfassung (Der Welle) gleicht eben Jener den Schlupf aus.

Bei permanent erregten Maschinen ist i.d.R. kein Schlupf da, weil sie auch bei kleinen Drehzahlen die volle Feldstärke im Anker haben.
Siehe Spindelantriebe in im Maschinenbau.
Leider kann man dem Motor nicht ansehen was das ist. Wäre schon interessant.

Wie wird die Drehzahl erfasst ? Geber an der Welle oder stellt der FU nur die abgegebene Frequenz in UPM dar ?

3.1 Leistung = Drehmoment [Nm] X Drehzahl [1/S] Nm=Ws=J ! daher Ws x 1/s = Watt
Bei Drehzahlreduzierung durch Vorgelege erhöht aich das Drehmoment am Werkstück . Die Leistung bleibt weitgehend gleich
abgesehen von den wenigen % Verlust im Riementrieb.

vG Helmut
Have fun
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schwede
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Zur Person: Ich bekam um Weihnachten 2011 ne kleine Elu-Drechselbank (DB 180) geschenkt.
Hiermit begann für mich auch der Einstieg ins Drechseln.
Seit Februar 2013 nun bin ich Besitzer einer Oskar Pensel Metalldrückbank.
Im Früjahr 2015 kam die zweite Oskar Pensel dazu...;-)
In der Arbeit stehen nun ein paar Hempels und eine Geiger

Hobbys neben dem Drechseln: BMW R1200 GS :-), Mountainbike und Rennrad fahren.
Bin verheiratet und hab ne kleine süße Tochter.

Nebenbei baue ich noch Schwedenfutter.
Mehr dazu hier:
http://www.rundes-vom-schweden.de
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Re: Erfahrungsbericht Harvey T-60

Beitrag von schwede » Montag 20. April 2015, 19:17

Servus Daniel,

vielen Dank für deinen super ausführlichen Bericht.
Zwar suche ich (momentan;-) ) keine neue Maschine.
Zum lesen sind solche Berichte aber immer sehr schön!
Schöne Grüße aus der Oberpfalz!

Schwede-> Markus

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